Donnerstag, 6. Juli 2017

Schmetterlinge im Pferdestall (Sportinternat Waldeck Band 3)


Das Wochenende war viel zu schnell vorbei. Nach dem Turnier brachten wir die Pferde zurück zum Hof, während meine Familie sich wieder auf dem Heimweg befand. Eigentlich wollten wir noch gemeinsam essen gehen, aber es war einfach viel zu spät geworden. Und meine Schwester Romy musste ja auch zurück in ihre Wohngruppe. Wie es der Zufall wollte, kam Marc mit seiner Gruppe kurz nach uns auf den Hof und so beschlossen wir, zusammen Nudeln zu bestellen. Bis diese kamen, versorgten wir unsere Pferde.
Während dem Essen drehte sich natürlich alles um die beiden Turniere, die wir besucht hatten.
„Als ich bin voll zufrieden mit meiner Truppe“, begann Lena Marc zwischen zwei Bissen zu erzählen. „Kira hat mit einem ordentlichen dritten Platz in den Reiterprüfungen gut vorgelegt, Antje hatte etwas Pech mit einer echt starken Gruppe, aber der vierte Platz ist da voll okay. Und Sally hat sogar mich mit ihrem zweiten Platz überrascht. Deren Gruppe war nämlich auch nicht ohne. Dann hat Antje noch den dritten Platz in der Springreiterprüfung geholt und den siebten in der E-Dressur. Torben ist in einer seiner E-Dressuren sechster geworden, bei der anderen hatte Linus wohl keine Lust mehr und lauter Monster gesehen. Dafür haben sie in den beiden E-Springen noch einen zweiten und einen guten neunten Platz gelegt. Ganz besonders hat mich eure Zusammenarbeit auf dem Turnier gefreut“, wandte sie sich nun an unsere Gruppe. „Jeder hat bei jedem freiwillig mit angepackt wo es nötig war, ohne große Worte. Ihr habt euch insgesamt den ganzen Tag auch moralisch wirklich toll unterstützt. Und mit unseren beiden Neulingen war es, als ob sie schon immer dabei wären. Das war super Teamwork, da freue ich mich schon auf die nächsten Turniere und hoffe, das bleibt so, auch wenn ihr mehr in Konkurrenz zueinandersteht.“
„Dasselbe gilt auch für meine Gruppe“, lobte Marc seinen Teil der Reitschüler. „Leona und Meike haben sich auch gleich super eingegliedert. Dafür, dass sie ihre Pferde noch nicht so lange kennen, haben sie auch gute Leistungen abgeliefert. Wenn es auch leider nur für einen fünften Platz für Meike in der E-Dressur gereicht hat. Durch die zwei Turniere an diesem Wochenende haben die erfahreneren Reiter ja überwiegend in Neunkirchen gemeldet und die Konkurrenz war dementsprechend ziemlich stark. Dafür hat Lucy in der E-Dressur einen ordentlichen siebten Platz belegt und wurde vierte in ihrem E-Springen. Björn hatte in der Dressur viel Pech, dafür wurde er dritter in dem A-Springen, in dem Saskia den zweiten Platz belegt hat. Dafür hat es in der A-Dressur mal nur für den neunten Platz gereicht, aber das ist okay. Bei Jan lief es in der E-Dressur nicht so gut, dafür hat Scrabble im Zeitspringen mal wieder gezeigt, was er kann und die beiden wurden Zweite! Ich bin auch wirklich zufrieden.“
Schon in zwei Wochen sollte es auf das nächste Turnier gehen, vier Wochen später war auch eines. Auf diese beiden würden wir dann sogar alle zusammenfahren. In unserer gemütlichen Runde ließen wir den Tag ausklingen und gegen halb neun brachte uns Pit, unser Fahrer, zurück zum Internat. Ich war sicher nicht die einzige, die nur noch schnell duschte und total müde ins Bett fiel.
*
Wie immer zog sich der folgende Schultag ewig lang dahin, diesmal noch mehr, weil wir in Französisch einen Test und in Ethik schon eine erste Klassenarbeit schrieben. Ich hatte ein gutes Gefühl für beide, zum Glück fiel mir das Lernen nicht allzu schwer. Das Highlight war natürlich wieder unsere Fachtheorie. Diesmal zum Thema Pferdehaltung.
„Na, dann erzählt mal, welche Haltungsformen kennt ihr denn?“, forderte Herr Keller uns auf. Wie so oft lief er langsam vor uns auf und ab.
„Boxenhaltung. Wenn das Pferd viel Glück hat, sogar mit Weidegang“, seufzte Torben. „Sollte eigentlich wie die Ständerhaltung abgeschafft werden. Zumindest als dauerhafte Haltung.“
„Dann hast du bestimmt auch Gründe für diese Meinung“, hakte Herr Keller sofort nach.
„Ja, Pferde sind Herdentiere und haben auch Bewegungsdrang. Sie sollten sich lieber rund um die Uhr bei genügend Auslauf mit anderen Pferden bewegen können. Das ist auch gut für die Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder.“
„Damit liegst du natürlich voll und ganz richtig. Die Praxis sieht leider noch vielerorts ganz anders aus. Sicher kennen noch nicht alle die Pferdehaltung der Schulpferde auf dem Sonnenhof, wer mag die denn mal den anderen vorstellen?“ Er schaute in die Runde. „Antje vielleicht?“
Diese rückte sich aus ihrer lässigen Haltung, eher einem Hängen über den Tisch, wieder in eine aufrechte Sitzposition.
„Gerne“, gab sie zurück. „Also auf dem Sonnenhof gibt es für unsere Schulpferde zwar eine lange Stallgasse mit Boxen, aber die sind nach Hinten nur geschlossen, wenn ein Pferd mal krank ist, zur Fütterung von Kraftfutter, damit die Pferde in Ruhe fressen können oder wenn sie nach dem Reiten noch nicht richtig trocken sind. Ansonsten sind immer zum befestigten Auslauf die Türen offen und in der Weidesaison der Zugang zur Koppel. Das Heu wird meistens auch draußen in so großen Futterraufen gefüttert. Ist auch besser für die Stallluft, weil es dort dann nicht so staubt.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen